Hydraulikanlagen – 5 Tipps für Pflege und Instandhaltung

Hydraulikanlagen – 5 Tipps für Pflege und Instandhaltung

Sicherlich kennen einige die Raupe Nimmersatt, die ein gutes Beispiel dafür ist, wie Arbeitsgänge durch vollhydraulische Maschinen erleichtert werden. Dabei kann es sich beispielsweise um ein forstwirtschaftliches Gerät handeln, das die Bäume in einem Arbeitsgang fällt, entastet und auf die richtige Länge schneidet. Dies ist jedoch nur ein Beispiel dafür, in dem die Hydraulik für die industrielle und handwerkliche Arbeit genutzt wird. In vielen Industriezweigen wird die Fähigkeit, starken Druck auf kleinsten Raum aufzubauen genutzt: Das beginnt in der Automobilindustrie und zieht weiter bis hin zum Flugzeugbau. Bei Hydraulikanlagen handelt es sich um ein geschlossenes System, das in kleinen und großen Arbeitsmaschinen Anwendung findet.

Hydraulik – zwei verschiedene Systeme

Bei der Hydraulik muss unterschieden werden zwischen dem hydrodynamischen und dem hydrostatischen Antrieb. Während die hydrodynamischen Antriebe mit einer Antriebsturbine und einer Pumpe arbeiten. Die kinetische Energie der Flüssigkeit wandelt Drehmoment und Drehzahl um. Der hydrostatische Antrieb, der bspw. bei E-Motoren oder Dieselmotoren angewendet wird, wandelt die mechanische Leistung durch eine Pumpe in hydraulische Leistung um. Hydraulikzylinder sorgen im Verbraucher dafür, dass die Kraft wieder in eine mechanische Leistung zurückgewandelt wird. Überall dort, wo eine stufenlose Verstellung der Antriebsgeschwindigkeit notwendig ist, wird der hydrostatische Antrieb verwendet. Das Problem ist, dass es bei der Instandhaltung bzw. bei Wartungsarbeiten an der Hydraulik von Maschinen oder Anlagen immer wieder zu gefährlichen Situationen für die Mitarbeiter kommt. Viele sind sich nicht bewusst, welche Gefahren von einer Hydraulikanlage ausgehen.

5 Tipps für eine sichere und qualifizierte Instandhaltung

Quelle: https://busch-hydraulik.de/hydraulikanlage-einfach-erklaert/

Tipp 1: Die Einhaltung der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)

Diese Verordnung verpflichtet den Betreiber einer Hydraulikanlage, die Mitarbeiter und Auftragnehmer genau über die innerbetrieblichen Gefahren und Risiken beim Betrieb hinzuweisen. Bei dem Betreiber handelt es sich grundsätzlich um das Unternehmen, bei dem die Anlage steht.

Tipp 2: Die Fünf-Finger-Regel einhalten

Die deutsche gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gibt mit der Information, Sicherheit in der hydraulischen Instandhaltung (209-070, ehemals BGI5100) präventive Hinweise. Unter anderen beschreibt diese Informationsschrift die Qualifikationen der Instandhalter sowie die allgemeinen Gefährdungen bei Arbeiten an der Hydraulik. In diesem Zusammenhang wird explizit auf die Fünf-Finger-Regelung hingewiesen in der DGUV-Information 209-070. Vor Beginn der Arbeiten muss die Energiezufuhr getrennt werden und gegen Wiederzufuhr gesichert werden. • Der Druck muss aus dem Hydrauliksystem entlassen werden. Zu beachten ist, dass der Druckspeicher immer noch Restenergie gespeichert haben kann. • Diese müssen anforderungsgerecht, mittels geeigneter Bauteile abgebaut werden. • Vor dem Beginn der Instandhaltungsarbeiten ist die Druckfreiheit der Maschine zu überprüfen, ebenso wie mögliche Gefahren oder Wechselwirkungen durch benachbarte Anlagen. • Bei den Arbeiten an der Hydraulikanlage sollten die mitgelieferten Betriebsanleitungen des Maschinen- oder Anlagenherstellers immer herangezogen werden.

Tipp 3: Das Hydrauliköl

Bei dem Hydrauliköl handelt es sich im übertragenen Sinne um das Blut des Systemkreislaufs. Sobald dieses verunreinigt ist, wird der Körper krank bzw. das Aggregat. Instandhalter müssen bei der Auswahl des Öls, der Filterung und dem Austausch einige wichtige Dinge beachten.
  • Wird die Einsatzobergrenze überschritten, reagieren das Grundöl als auch die Additive empfindlich. Hinweis darauf: eine Verfärbung des Fluids oder ein atypischer Ölgeruch.
  • Temperaturen, die weit über 60 Grad Celsius liegen, sollten bei mineralölbasierten Hydraulikflüssigkeiten vermieden werden. Die Folge das Öl altert schneller und das Hydrauliköl muss in kürzeren Intervallen gewechselt werden.
  • Eine Mindestviskosität bei der Betriebstemperatur ist sicherzustellen. Eine Unterschreitung des Wertes hat zur Folge, dass es zu mehr Verschleißerscheinungen kommt und die Gleitstellen der Hydraulik zu „fressen“ beginnen.
  • Ein hoher Schmutzeintrag bzw. eine schlechte Filterung erhöht das Stillstand-Risiko.

Tipp 4: Schläuche dicht und sicher halten

Die Betriebssicherheitsverordnung und die Gefährdungsbeurteilung müssen beim Thema Schlauchsicherheit dem Instandhalter vor Augen liegen. Maschinenbetreiber von denen die Betriebssicherheit des Hydraulikaggregats ignoriert wird, der muss für den entstandenen Schaden aufkommen. Hierzu legt die Technische Regel für Betriebssicherheit 1203 eindeutig Folgendes fest: „nur eine ausreichend qualifizierte „zur Prüfung befähigte Person“ darf den Sicherheitscheck der Schlauchleitung und anderes durchführen.“ Laut der internationalen Hydraulik Akademie (IHA) kommt es leider recht häufig vor, dass der Betreiber – entsprechend vom Anwendungsfall – nicht die richtige Hydraulikschlauchleitung wählt. Auch falsche Schlauchleitungsquerschnitte sind keine Seltenheit, die zumeist zu klein dimensioniert werden. Anstelle der dynamischen Betriebsdruckbelastung wird die statische Betriebsdrucklastung bestimmt. Zudem altern die Hydraulik-Schlauchleitungen aufgrund von hohen Systemtemperaturen vorzeitig mit der Folge das sich die Standzeit reduziert. Hinzu kommt, dass bei engen Einbauverhältnissen der Monteur nicht selten den empfohlenen Mindestbiegeradius unterschreitet.

Tipp 5: Die Wartung der Hydraulikanlage digitalisieren

In großen Industriebetrieben gehören Virtual und Augmented Reality mittlerweile zum Alltag. Für den Instandhalter können Kameras in den Hydraulikanlagen relevante Maschinenkomponenten kennzeichnen. Der Anwender interagiert über eine Gestenerkennung mit diesen prozessrelevanten Komponenten. Adaptive und situationsabhängige Inhalte erscheinen im Gesichtsfeld des Anwenders und das Innenleben des Hydraulikaggregats wird visualisiert bspw. über eine VR-Brille. Sobald der Anwender einen bestimmten Punkt der Außenhaut betrachtet, öffnet sich das Aggregat virtuell und gibt einen Blick in 3D auf das Innenleben frei.

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