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Industrie wandelt sich rasant durch künstliche Intelligenz

McKinsey-Studie: 74% der Entscheider halten Geschwindigkeit der Veränderung für noch nie dagewesen – Industrie mit Schwierigkeiten bei neuen Geschäftsmodellen und Talentgewinnung – Markt für Cybersecurity verdoppelt sich

Vorstände und Unternehmensentscheider aus der Industrie erwarten, dass sich ihre Branchen in den nächsten fünf Jahren stärker verändern als in allen vergangenen Jahrzehnten. 85% der Verantwortlichen aus der Automobilindustrie, dem Maschinenbau sowie der Luftfahrt- und Verteidigungsbranche gehen davon aus, dass technologische Durchbrüche wie künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge und datenbasierte Geschäftsmodelle ihr Unternehmen komplett verändern werden. Drei von vier Verantwortlichen nennen vor allem die Geschwindigkeit des Wandels als wesentlichen Faktor. Fast jeder Zweite hält auch das Ausmaß der Veränderung für noch nie dagewesen. Gleichzeitig fühlen sich die traditionellen Unternehmen schlecht auf den Wandel vorbereitet – vor allen wenn es darum geht, neue digitale Geschäftsmodelle aufzubauen und die dafür notwendigen Talente zu gewinnen. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer weltweiten Befragung von über 300 Top-Entscheidern aus der Industrie mit dem Titel „Disruptive forces in the industrial sector – a global executive survey“ von McKinsey & Company.

Mittelmäßiges Smartphone schneller als früher der Supercomputer

„Natürlich gab es auch früher Entwicklungssprünge in der Industrie. Doch diesmal verändert sich nicht nur die Technologie, sondern für alle Unternehmen auch das fundamentale Geschäftsmodell“, sagt Thomas Baumgartner, Leiter der europäischen Beratung für Industrieunternehmen bei McKinsey. 47% der Firmen erwarten beispielsweise, dass neue Abrechnungsmodelle wie das Bezahlen je Benutzung (pay per use) in Zukunft viel stärker eingesetzt werden. Neun von zehn Unternehmen gehen davon aus, dass in ihren Markt neue Wettbewerber eindringen- zum Beispiel aus der Digitalindustrie, Startups oder aus China. Dennoch gibt es auch viel Optimismus: Jedes zweite Unternehmen rechnet für die Gesamtindustrie mit steigenden Umsätzen. Baumgartner: „Noch ist unklar, ob sich die traditionellen Unternehmen diese zusätzlichen Umsätze sichern werden oder die neuen Wettbewerber.“

Drei grundlegende Technologiesprünge treiben die Veränderung voran, so die Studie:

  • Mehr Daten, die wirtschaftlich genutzt werden können. 90% aller gespeicherten Daten wurden in den letzten zwei Jahren erzeugt.
  • Zweitens hat die Rechengeschwindigkeit der Computer exponentiell zugenommen: Ein heutiges Mittelklasse-Smartphone ist zehnmal schneller als der Supercomputer, der 1997 erstmals einen Schachweltmeister schlug.
  • Drittens vernetzt sich die Welt immer stärker: 20 Milliarden Geräte hängen nun am Internet, jeden Tag kommen 50 Millionen hinzu.

Daraus entstehen in schneller Folge Innovationen: In der Automobilindustrie werden mit Mobilitätsdienstleistungen beispielsweise heute 30 Mrd. US-Dollar umgesetzt, 2025 werden es fast 400 Mrd. sein. Der Markt für Cybersecurity-Anwendungen wird sich von heute 96 Mrd. US-Dollar auf 210 Mrd. US-Dollar in den kommenden sieben Jahren mehr als verdoppeln, so McKinsey.

„Unternehmen, die diesen Wandel nicht aktiv angehen, riskieren sehr schnell aus dem Markt gedrängt zu werden“, sagt Bernd Heid, Co-Autor der Studie und Seniorpartner von McKinsey. Daher rechnet mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen damit, zwischen 10 und 30% ihrer Budgets umschichten zu müssen; ein Drittel wird sogar mehr als 30% neu verteilen. Heid: „Im langfristigen Durchschnitt haben Firmen nur 6 bis 10% ihrer Budgets jährlich umgeschichtet – wir werden also eine dramatische Beschleunigung sehen.“

58% der Unternehmen rechnen damit, dass 10 bis 30% der Arbeitsplätze sich verändern werden – durch neue Aufgabe oder den Wegfall einzelner Tätigkeiten; ein Drittel geht von mehr als 30% betroffenen Mitarbeitern aus. Heid: „Die Industrie sucht händeringend Software- und Datenspezialisten.“ Allein in den USA werden für die Software in Autos bis zu 100.000 zusätzliche Experten benötigt.

Sechs von zehn Unternehmen haben bereits Umbauprogramme angestoßen; ein Drittel geht den Wandel durch die Gründung von Startups an. „Die Schnelligkeit und das Ausmaß des Wandels erfordern einen mutigen Umbau“, sagt Thomas Baumgartner. „Einzelne Pilotprojekte und die Gründung von Startups oder Inkubatoren können helfen, die Veränderung anzuschieben. Doch für den langfristigen Erfolg muss der Umbau ‚at scale‘, also im großen Maßstab, erfolgen.“

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