Gerüstbau: Die Industrie hat vielfältige Anforderungen

Gerüstbau: Die Industrie hat vielfältige Anforderungen

Ein Unternehmen kann an einen Punkt gelangen, an dem es an seine räumlichen Grenzen stößt, da die Produktion erweitert werden muss, und/oder ein erweiterter Bürotrakt benötigt wird, der direkt mit der Produktionshalle verbunden ist. Es muss nicht in jedem Fall gleich neu gebaut werden, sondern es lohnt sich in vielen Fällen auch ein Ausbau. Besonders in einer Lager, – Produktions- und Industriehalle kann ein solcher Umbau nicht ohne Gerüst vonstattengehen, vor allem dann nicht, wenn der laufende Betrieb nicht eingeschränkt werden soll, bzw. kann. Denn in mit einem solchen Gerüst kann zugleich eine sogenannte Staubschutzwand integriert werden. Somit sind laufender Betrieb und die Sanierung bzw. der Umbau der Industriehalle strikt voneinander getrennt. Aufgebaut wird eine solche Schutzwand durch den Gerüstbauer und für ihn zählt das zum Alltag.

Die verschiedenen Gerüstbauarten – für den Gerüstbauer alltäglich

Je nach der Art der Bestandteile unterscheiden sie die einzelnen Gerüste und oftmals auch durch die Form ihrer Anwendung. Der Gerüstbauer ist dafür zuständig, dass die verschiedenen Bauarten nach den sicherheitstechnischen Vorschriften aufgebaut werden. Dabei ist es wichtig, dass er die Gerüstbaumaterialien entsprechend der Gerüstart kombiniert und vorschriftsmäßig montiert. Ein Baugerüst wird auch als Hilfskonstruktion bezeichnet, da es für die Benutzung erstellt und im Anschluss wieder abgebaut wird.

Das Systemgerüst ist eines der häufigsten Konstruktionen und dieses besteht aus vorgefertigten Bauteilen. Bei dieser Art ist die Verbindungstechnik fest mit dem Gerüst verbunden und dadurch wird zugleich die Form des Systems bestimmt. Aufgrund dessen ist auch ein genau Aufbaufolge vorgegeben und das bringt ein hohes Mass an Sicherheit mit sich. Denn das Gerüst kann durch die festen Systeme nur in der strukturierten Montagelogik aufgebaut werden und dadurch werden Montagefehler vermieden. Es wird ein grosses Angebot an Gerüsten geboten: Trag-, Hänge-, Bock- und Konsolengerüste.

Jährlich stürzen Beschäftigte in die Tiefe

Sei es im Gerüstbau, bei Richtarbeiten, bei Arbeiten auf Leitern oder anderswo – in jedem Jahr stürzen Beschäftigte in die Tiefe und viele dieser Unfälle führen zu schweren Verletzungen oder enden sogar tödlich – mit viel Leid für die Betroffenen und Hinterbliebenen. Allein von Januar 2009 bis Dezember 2016 wurden von den staatlichen Ämtern für Arbeitsschutz in Deutschland 1499 tödliche Arbeitsunfälle an die BAuA gemeldet. Seit 2010 ist die Anzahl der gemeldeten Unfälle leicht rückläufig, wobei der Anteil der Absturzunfälle seit 2012 relativ konstant bei rund einem Viertel – im Jahr 2011 lag er fast bei 38,1 %.

So sind 423 aller Unfälle auf Abstürze zurückzuführen und das heißt, rund 28,8 % der tödlich verunfallten Arbeiter sind unmittelbar von einem Gerüst, einer Leiter, Bauwerksdächern oder Maschinen gestürzt. Den größten Anteil der Stürze machen die aus einer Höhe von 5 und 10 Metern aus. Selbst Stürze aus einer geringen Höhe können zum Tode führen und in 49 Fällen erfolgte der tödliche Sturz aus einer Höhe von weniger als zwei Metern. 62 verunfallte stürzten aus einer Höhe von 10 Meter ab – zumeist von einem Dach oder einem Gerüst.

Die BG Bau führt den leichten Rückgang bzw. die konstante Zahl bei den Absturzunfälle zurück:

  • auf die wirksameren technischen Möglichkeiten zur Absturzsicherung
  • auf die verbesserte Organisation des Arbeitsschutzes
  • auf den Bewusstseinswandel bei den Beschäftigten.

Die Unternehmen achten zudem darauf, dass bereits vor dem Beginn der Arbeiten, mögliche Absturzgefahren im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermittelt werden. Die Bauherren übermitteln im positivsten Fall den Unternehmer bereits vor der Arbeitsaufnahme darüber, welche Decken- und Dachflächen nicht belastbar sind. Zudem wird von den Baubetrieben bereits vor dem ersten Betreten beurteilt, welche Treppenöffnung, Dachkonstruktionen oder Lichtkuppeln besonders gesichert werden müssen.

Auch wenn die Zahl der Abstürze noch immer sehr hoch ist und bei den Arbeiten auf den hochgelegenen Arbeitsplätzen besondere Vorsicht geboten ist, so liegt der Unfallschwerpunkt im Gerüstbau beim auf-, Um- und Abbau der Gerüste. In diesen Fällen ist jeder Unfall tragisch.

Die Arbeitssicherheit – ein Kernthema beim Gerüstbau

Die Arbeitssicherheit spielt in kaum einen anderen Zweig der Baubranche eine so wichtige Rolle wie beim Gerüstbau. Denn besonders in Produktions- und Lagerhallen, wird oftmals in großen Höhen gearbeitet und schon ein kleiner Fehltritt oder eine Unachtsamkeit kann schwerwiegende Sachschäden oder viel schlimmer noch Personenschäden zur Folge haben. Auch wenn in den vergangenen Jahren in der Unfallstatistik ein deutlicher Rückgang der schwerwiegenden Vorfälle abzulesen ist – schwere Knochenbrüche oder im schlimmsten Fall der Tod – so kommen diese auf den deutschen Baustellen noch immer jeden Monat vor. Daher ist die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz nach wie vor ein Kernthema und das nicht nur im Gerüstbau, sondern in der gesamten Baubranche.

Dementsprechend sind die gesetzlichen Regelungen streng. Gerüstbauer müssen eine Vielzahl von Auflagen in Bezug auf die Absturzsicherung, dem allgemeinen Zustand der Gerüste und der Wartung sowie der Ausbildung der Arbeiter und der Fachkraft für Arbeitssicherheit vor Ort erfüllen.

Festgeschrieben sind die Regelungen im sogenannten Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und diese haben einen verbindlichen Charakter für jeden Arbeitgeber in Deutschland – ganz gleich welcher Branche das Unternehmen angehört. Zudem sind auch die Aufgaben und Kompetenzen von Fachkräften für Arbeitssicherheit im Arbeitssicherheitsgesetz (ASIG) geregelt.

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